Bei Tränen Mord Berichte - Presse - Rezensionen


Radiobeitrag

SR1 Abendrot mit Roland Helm


Buchpremiere - Bericht

Chicklit meets Crime – Buchpremiere in der Bettinger Mühle am 23.07.2012

Bei Tränen Mord

Liebe BesucherInnen meiner Homepage, heute plaudere ich für Sie aus dem Nähkästchen der Autorin: Wie läuft eigentlich so eine Lesung ab?

Ich hatte meine erste „größere“ Buchpremiere, das heißt eine Lesung vor einem recht großen Publikum fast ausschließlich erwachsener ZuhörerInnen. Bisher las ich immer an Schulen oder in Bibliotheken vor Gruppen von Kindern und Jugendlichen, die die Zahl 50 nicht überstiegen. Kinder und Jugendliche sind kein einfaches Publikum, aber die Eingrenzung der Zuhörerzahl macht es leicht, einen Kontakt zu ihnen herzustellen.

 

Dieses Mal war das anders: Ich hatte die Premierenlesung selbst organisiert, und ich wusste, dass ca. 80 Gäste kommen würden. Außerdem hatte das Collegium Cantorum Saar, ein renommierter saarländischer Kammerchor unter Leitung von Chordirektor Dr. Wolfgang Maria Hoffmann, sein Mitwirken zugesagt, wodurch die Zahl der Zuhörer auf über 100 stieg. Entsprechend groß war meine Aufregung. Ich legte mir also im Vorfeld ein Konzept zurecht, das ich mir ausdruckte und in ein Schulheft einklebte, um meine Stichworte schnell wiederzufinden.

 

Normalerweise beginnt so eine Lesung mit einer Anmoderation. Ich musste leider berichten, dass mein ursprünglicher Plan, mich mit ein paar freundlichen Worten von meiner Literaturagentin Anja Koeseling kurz vorstellen zu lassen, zunichte gemacht war, weil sie mit einer Verletzung im Krankenbett liegen musste. Plan B war vermutlich zu kurzfristig gefasst und gedacht: Mein Wunschmoderator Dieter Nuhr hat meine Anfragemail einfach nicht beantwortet.

 

Bevor ich mit Lesen begann, wies ich die Zuhörer mit herzlichen Worten darauf hin, dass es höchst unfreundlich sei, einzuschlafen, wenn jemand vorliest. Ich erwähnte nebenbei, dass ich Erwachsene, die mir gegenüber unfreundlich sind, durchaus in meinem nächsten Krimi mitspielen lassen könnte - und nicht in der Rolle des Täters. Ich spürte sofort, dass das Publikum und ich auf einer Wellenlänge lagen, also konnte nichts mehr schiefgehen.

Mein Buchtrailer trug zu einer erwartungsvollen Stimmung bei.


„Chicklit meets Crime“- das war das Motto meiner Lesung, und diejenigen Anwesenden, die mit dem Begriff Chicklit nichts anfangen konnten, wussten nach den ersten gelesenen Absätzen, was damit gemeint ist, nämlich das Genre des fröhlich-frechen Frauenromans.

Ich trug einige Passagen aus dem ersten Kapitel vor, um den ZuhörerInnen meine weibliche Protagonistin Lucy Schober nahezubringen. Sie belohnten mich mit ihrer Aufmerksamkeit und Lachern an den richtigen Stellen.

"Immer, wenn ich weinen muss, passiert eine Katastrophe."
"Immer, wenn ich weinen muss, passiert eine Katastrophe."

Nach diesem ersten Block sang das Collegium Cantorum Saar für mich zwei Lieder, die auf die nachfolgende Lese-Einheit einstimmen sollten: den Haydn-Kanon „Mädchen, ach meide Männerschmeicheleien“ und eine neu getextete Version des Brahms-Klassikers „Erlaube mir, feins Mädchen“. Besonders erfreulich fanden die ZuhörerInnen diese neue Version, die die Chorsängerin Bärbel Hoffmann geradezu congenial auf das Stück getextet hatte: „Loss meich mo, gudd Määdchen, mit dir en de Gade gehn.“

 

In der zweiten Einheit trafen sich Lucy und Kommissar Frank Kraus im Zuge der Ermittlungen. Seltsame Unfälle mit Todesfolge pflastern Lucys Weg, und sie wird schnell zur Hauptverdächtigen. Die beiden Protagonisten finden sich ebenso schnell sehr anziehend, und da Frank Kraus, um einen klaren Kopf zu bekommen, gerne an der Saar entlang joggt und dabei den Metallica-Song „Nothing else matters“ hört, haben ein paar Solisten des Chors in der nächsten Lesepause das für mich eigens einstudierte Lied vorgetragen in Begleitung einer E-Gitarre, gespielt vom saarländischen Musiker Alex Breidt und des E-Pianos, das Thomas Layes spielte, der auch bei großen Konzerten den Chor mit seinem herausragenden Orgelspiel begleitet. Die SängerInnen (von links nach rechts): Armin Barbian (Tenor), Michaela Dörr (Mezzosopran), Roland Barbian (Bass), Gertrud Mark (Sopran) und Bärbel Hoffmann (Altstimme, vorne). Diese ungewöhnliche Version eines Rocksongs wurde vom Publikum mit Begeisterung aufgenommen.

Die letzten beiden Leseeinheiten hielt ich mit jeweils vier bis fünf Minuten sehr knapp – ich wollte ja meine Drohung vom Anfang nicht wahrmachen müssen – und der Chor sang für uns alle nochmals je zwei Stücke: „Lacrimosa“ aus dem Mozartrequiem und „Ave verum“, ebenfalls von Mozart, und am Schluss das „Pie Jesu“ aus dem Requiem von Andrew Lloyd Webber, solistisch in elysischer Güte vorgetragen von Gertrud Mark und Michaela Dörr, vom Chor fast mystisch begleitet. Traumhaft schön. Es ist nicht umsonst das Lieblingsstück von Lucy Schober. Und zuallerletzt sang ich selbst auch noch mit, nämlich bei einem meiner eigenen Lieblingsstücke, einem französischen Trinklied von Pierre Attaingnant, 1530, „Tourdion“. „Quand je bois du vin clairet, ami tout tourne, tourne, tourne …“

Erleichtert, dass alles gut gelaufen ist. Mikro ist natürlich ausgeschaltet.
Erleichtert, dass alles gut gelaufen ist. Mikro ist natürlich ausgeschaltet.

Damit fand die Lesung einen runden Abschluss. Ich freue mich sehr über den Applaus des Publikums, die lobenden und fröhlichen Worte und die vielen Wünsche nach signierten Büchern. Für mich war es ein wunderschöner Abend. Mein herzlicher Dank geht ans Collegium Cantorum Saar und die beiden Musiker Thomas Layes und Alex Breidt.

Plausch unter Autorinnen beim Büchersignieren. Mit Deana Zinßmeister.
Plausch unter Autorinnen beim Büchersignieren. Mit Deana Zinßmeister.

Autoreninterview

Interview mit Alex Thomas im "Tempest", dem Autorennewsletter von Autorenforum.de.


Am 20. 07.12 erschien dieses Interview, das die Autoren und Tempest-Mitbegründer Ramona und Thomas Roth-Berghofer (bekannt als Alex Thomas) mit mir gemacht haben. Das Medium: Autorennewsletter "The Tempest". Im Wissensportal für AutorInnen "Autorenforum.de" erscheint monatlich ein Newsletter, in dem Autoren ihr Wissen mitteilen. Interessante Artikel zum Schreibhandwerk findet man dort ebenso wie wichtige Termine in der Welt der SchriftstellerInnen. Hier können Sie sich selbst ein Bild machen. autorenforum.de/the-tempest
Und hier für Sie das Interview, das mich angeregt hat, über mein Schreiben gründlich nachzudenken und an dem ich viel Spaß hatte:


"Ich schreibe, also bin ich"
Interview mit Angelika Lauriel

Ramona und Thomas Roth-Berghofer: Liebe Angelika Lauriel, gerade ist
Ihr skurriles Krimidebüt "Bei Tränen Mord" im Gemeiner Verlag
erschienen.

Endlich herrscht wieder Sommer in Saarlouis, der heimlichen Hauptstadt
des Saarlandes, als Ihre Heldin, die Callcenter-Angestellte Lucy
Schober, zu ihrem Entsetzen feststellt, dass die Menschen in ihrem
Umfeld wie die Fliegen wegsterben. Könnte Lucys Tollpatschigkeit die
Ursache sein? Auch der ermittelnde Kriminalkommissar Kraus sieht eine
Verbindung zwischen den Todesfällen und der attraktiven Angestellten:
Jeder der Verstorbenen hat kurz vor seinem Unfall mit Lucy
telefoniert! Doch reicht das schon als Tatmotiv? Ist die toughe, junge
Frau am Ende eine Psychopathin? Dass Kraus sich auch noch in Lucy
verguckt, macht die Ermittlungsarbeit kein bisschen leichter.

Schon die Eckdaten Ihrer Geschichte reizen zum Schmunzeln. Wie kamen
Sie auf die Idee zu diesem skurrilen Kriminalroman? Und wieso
ausgerechnet das Umfeld des Callcenters?

Angelika Lauriel: Die Idee zu diesem Roman bekam einen ungewöhnlichen
Anstoß: Der Gmeiner-Verlag hatte Interesse an einem witzigen
Frauenroman - wünschte sich aber Spannungselemente darin. Kurz vor der
Buchmesse letzten Jahres schrieb die Programmleiterin Claudia Senghaas
mich an mit der Bitte, in meine Geschichte eine zusätzliche
Spannungshandlung einzuweben. Der Roman war aber so, wie er war, in
sich geschlossen und rund - in mir sträubte sich alles, deshalb sahen
wir beide es als schwierig an. Dann blitzte in meinem Kopf der Gedanke
auf, stattdessen eine ganz neue Geschichte zu erfinden, einen witzigen
Krimi. Nur wenige Sekunden später war die Kernidee da: "Stell dir vor,
Leichen pflastern deinen Weg, und alle glauben, du bist eine
Mörderin." Ich musste selbst lachen bei diesem Gedanken und spürte
gleichzeitig dieses innere Vibrieren, das Ideen begleitet, die
geschrieben werden MÜSSEN, also machte ich Frau Senghaas den Vorschlag
für den neuen Krimi. Sie rief kurz darauf an und signalisierte mir
ihre deutliche Zustimmung. Ich spann die Idee weiter, und die ganze
Geschichte entrollte sich vor mir.

Das Umfeld des Callcenters bot sich an, weil es für mehrere Dinge
steht: Schwierige Arbeitsbedingungen, nicht sehr gut bezahlt, und man
hat oft mit Menschen zu tun, die sich durch die Anrufe belästigt
fühlen und mitunter unfreundlich bis beleidigend reagieren. Für mich
ein idealer Nährboden für eine gleichzeitig unterhaltsame wie
spannende Geschichte. Und nicht zuletzt auch charakterisierend für die
Protagonistin Lucy.


RRB/TRB: Wie sind Sie beim Schreiben vorgegangen? Sind Sie mehr eine
intuitive Autorin, oder planen Sie jedes Detail im Voraus?

AL: Da bin ich fast so inkonsequent wie meine Protagonistin Lucy
(bezeichnenderweise Sternzeichen Zwilling), die sich, wenn sie
Entscheidungen fällen muss, immer hin und her gerissen fühlt. Wie fast
alle AutorInnen, die ich kenne, schrieb ich mein allererstes Projekt
(2006) rein intuitiv und hatte mehr oder weniger Glück, dass daraus
eine zusammenhängende Geschichte entstand. Durch die Arbeit mit dem
Langenscheidtverlag, bei dem zwei Kinderkrimis von mir erschienen
sind, lernte ich, im Vorfeld einen Kapitelplan zu erstellen. Der eine
oder andere Schreibratgeber, Tipps aus dem Tempest und der intensive
Austausch mit AutorenkollegInnen überzeugten mich rasch, dass
vorheriges Planen dem Schreiben nur gut tut.

Das A und O ist für mich die Figurenentwicklung. Vor allem Schreiben
steht das Kennenlernen meiner Protagonisten in mehrfacher Hinsicht -
Aussehen / Physiologie, Herkunft / Soziologie und innere Verfassung /
Psychologie (grob nach James N. Frey, "Wie man einen verdammt guten
Kriminalroman schreibt"). Als Zweites lasse ich meinen Täter seine
ureigene Geschichte erzählen, die "Geschichte hinter der Geschichte"
(ebenfalls Frey), und im dritten Schritt erstelle ich ein
Stufendiagramm, also eine nummerierte Liste dessen, was in der
Geschichte passiert (abermals nach Frey). Szenenpläne erstelle ich
nicht - so exakt will ich die Geschichte nicht vorgeplant haben. Mit
dieser Methode fahre ich sehr gut, da sich beim Schreiben trotz losen
Plots immer noch reichlich Überraschungen einstellen können. Das
Stufendiagramm ist für mich auch nicht in Stein gemeißelt, sondern
bleibt variabel.


RRB/TRB: Wie sah Ihre Recherchearbeit für "Bei Tränen Mord" aus?

AL: Mit diesem Krimi entschied ich mich für den Schauplatz Saarland
und stieß im Verlag auf offene Ohren, da er für Regiokrimis bekannt
ist. Das hatte den riesigen Vorteil, dass ich, was die Örtlichkeiten
anging, nicht weit zu reisen brauchte. Ich kenne Saarlouis und weiß,
wie es dort aussieht, riecht und sich anfühlt. Zur Arbeit in
Callcentern konnte ich einige Bekannte befragen, um herauszufinden, ob
meine Vorstellungen realistisch sind. Im Internet recherchiert und
teilweise durch Telefongespräche abgeklärt bzw. in Mails mit Experten
besprochen habe ich vor allem die Belange der Polizeiarbeit, in denen
ich mir nicht sicher war. Der Rechercheaufwand hielt sich damit in
überschaubaren Grenzen, und teilweise konnte ich aufkommende Fragen
während des Schreibens klären.


RRB/TRB: Wie umfangreich gestaltete sich die Zusammenarbeit mit dem
Lektorat des Gmeiner Verlags?

AL: Die Lektoratsarbeit mit dem Verlag verlief sehr angenehm. Zuerst
las die Programmleiterin Frau Senghaas das Gesamtmanuskript - und sie
begleitete sogar die Entstehung schon mit. Aufkommende Fragen (z. B.
"Wie viel Dialekt darf sein, damit der Text gut lesbar bleibt?")
besprachen wir sofort.

Das inhaltlich-logische und stilistische Lektorat mit meiner Lektorin
Katja Ernst umfasste zwei Durchgänge und verlief ebenfalls in
angenehmem Ton. Die Manuskriptfassungen haben wir jeweils per
Mailanhang als Word-Datei mit Anmerkungen verschickt und gegengelesen.


RRB/TRB: Hatten Sie Einfluss auf die Titelwahl, die Wahl des
Buchcovers oder den Klappentext?

AL: Ja. Der Titel ist auf meinem eigenen Mist gewachsen; allerdings
hatte ich einen anderen Arbeitstitel - "Immer, wenn sie weinen
musste". Das Buchcover wurde mir früh gezeigt, und da gab es einfach
nichts zu meckern. Ich finde es schlicht genial. Die Werbe- und
Klappentexte habe ich selbst verfasst; Frau Ernst hat sie überarbeitet
und den formalen Forderungen angepasst.


RRB/TRB: Wie lange haben Sie an "Bei Tränen Mord" gearbeitet?

AL: Ich glaube, es ist eines meiner "schnellsten" Projekte geworden.
Die Rohfassung stand nach weniger als drei Monaten. Ich habe die
Neigung, mich wie eine Süchtige dem Schreibfluss zu ergeben, wenn er
mich erfasst. Die Geschichten erzählen sich dann fast von alleine, und
ich bin nur noch der Handlanger, der sie in den Rechner tippt.

Durch den Alltag mit einer fünfköpfigen Familie habe ich mir
frühzeitig angewöhnt, Dinge, die mir wirklich wichtig sind, nicht
aufzuschieben. Das ist auch gut so, da man bei drei Kindern immer mit
allem rechnen muss. Und was sollte ich tun, wenn eine Deadline
näherrückt, aber eines der Kinder beispielsweise im Krankenhaus
landet? Daher mein Drang, all meine Projekte zügig zu schreiben. Wie
eine innerlich Getriebene sitze ich deshalb an meinem PC und kann
einfach nicht anders, als zu schreiben.


RRB/TRB: Wie kamen Sie zum Schreiben? Gab es Vorbilder oder ein
bestimmtes Schlüsselerlebnis?

AL: Ich habe im Jahr 2006 mit Schreiben begonnen. Früher habe ich
immer davon geträumt, es aber gelassen, weil ich es für eine brotlose
Kunst hielt. Stattdessen bin ich Diplomübersetzerin geworden -
ebenfalls eine recht brotlose Kunst. Im Jahr 2006 dann ließ mich eine
Szene einfach nicht mehr in Ruhe. Sie ploppte immer wieder in meinem
Kopf auf: Ein Junge rennt aufgebracht in sein Zimmer, schlägt die Tür
hinter sich zu und brüllt: "Ich komme nicht mit, und damit basta!"
Zur gleichen Zeit unterhielt ich mich oft mit meiner lieben Kollegin
Deana Zinßmeister, einer erfolgreichen saarländischen Autorin
historischer Romane (bei Goldmann). Was sie mir über ihr eigenes
Schreiben erzählte, gab schließlich den Anstoß, mich tatsächlich
hinzusetzen und diese Szene niederzuschreiben. Aus der Szene entspann
sich eine komplexe Fantasygeschichte, die in der Realität verwurzelt
ist. So entstand mein erstes Buchmanuskript, ganz aus dem Bauch
heraus, und war am Schluss 360 Normseiten dick. Es liegt auf meiner
Festplatte - und gefällt mir immer noch sehr.

Damit war ich zur Süchtigen geworden. Ich schreibe, also bin ich.


RRB/TRB: Sie studierten Übersetzen und Dolmetschen
"Englisch/Französisch". Wie wirkt sich Ihr Sprachenstudium auf Ihr
Schreiben aus?

AL: Durch mein Studium hatte ich mit Sprache(n) ja immer schon zu tun,
das war ganz sicher ein Vorteil. Ganz handfest in einen Vorteil
ummünzen konnte ich meine Französischkenntnisse dann in der
Zusammenarbeit mit dem Langenscheidtverlag. Meine liebe Kollegin, die
Autorin und Illustratorin Rebecca Abe (alias Stephanie Fey) berichtete
mir 2009 davon, dass Langenscheidt Illustratoren für eine deutsch-
französische Reihe suche, die ins Leben gerufen werden sollte. Sie gab
mir die E-Mail-Anschrift der betreuenden Lektorin, ich meldete mich
bei ihr. So entstand die sehr angenehme Zusammenarbeit mit dem großen
"Sprachenverlag".

Als bereichernd empfinde ich auch, dass ich in drei Sprachen Bücher
lesen und verstehen kann - Englisch, Französisch und Italienisch.


RRB/TRB: Wie sieht Ihr Alltag als Autorin aus? Ihr Arbeitsplatz? Gibt
es Schreibrituale?

AL: Mein Arbeitsplatz ist ein Zimmer voller Bücherregale, meinem
Schreibtisch und dem PC, den ich mir vom allerersten Autorenhonorar
gegönnt habe. Er hat einen riesigen Bildschirm, bei dem es mir nicht
weiter auffällt, ob meine Augen gut oder schlecht sind. Gesellschaft
leistet mir seit August 2011 unsere französische Bulldogge. Das
Geräusch, wenn sie ihren Kauknochen abnagt, wirkt inspirierend, ihr
tiefes Atmen im Schlaf beruhigend auf mich. Lediglich, wenn sie auf
meinem Schoß schlafen will, behindert sie mich ein wenig beim
Schreiben, weil sie aus unerfindlichen Gründen den Kopf immer in meine
linke Armbeuge legen möchte.

Mein Alltag beginnt morgens um halb neun, nachdem die Kinder in der
Schule sind und ich eine einstündige Runde mit dem Hund gemacht habe.
Kaffee kochen, Mails checken, Foren checken, ein bisschen mit Kollegen
"plaudern" - z. B. auf Facebook oder in einem Schreibforum - und dann
ran ans Manuskript.

Oder: PC an, Dokument öffnen, SCHREIBEN. Mein einziges Schreibritual
besteht darin, eine Kerze anzuzünden, die auf dem Schreibtisch steht.

Bevor ich loslege, lese und überarbeite ich immer das vorangegangene
Kapitel.


RRB/TRB: Sie werden von der "Literaturagentur Scriptzz" vertreten. Wie
sieht die Zusammenarbeit aus?

AL: Meine Agentin Anja Koeseling bekommt alle neuen Projekte von mir,
liest und kommentiert sie, bevor sie sie den passenden Verlagen
anbietet. Außerdem hat sie mir in Brainstorming-Telefonaten den einen
oder anderen Impuls zu neuen Projekten gegeben. Ich bespreche fast
immer meine Ideen mit ihr, bevor ich sie umsetze. Das heißt: Schon die
allererste Idee, die meist aus einem einzigen Satz oder einer (oft
geträumten) Szene besteht, stelle ich ihr vor, dann sagt sie mir: "Das
ist gut, mach was daraus!" und gibt mir mitunter noch Tipps - etwa die
Lesergruppe betreffend, die Erzählstimme betreffend oder anderes.

Ein konkretes Beispiel: Über Weihnachten und Silvester vergangenen
Jahres spürte ich eine noch unkonkrete Idee heranwachsen. Ein
Entwicklungsroman mit viel Tiefgang, eine Liebesgeschichte, bei der
den beiden Protagonisten "alles" abverlangt wird. Nach Fertigstellung
von "Bei Tränen Mord" und eines Kinderkrimis, den ich vergangenes Jahr
geplant und im Januar geschrieben habe, trug ich Frau Koeseling diese
halbgaren Gedanken vor. Sie bat mich, diesen Roman für Jugendliche zu
schreiben. Damit war der Impuls da, der Anstoß, der vorher noch
gefehlt hatte. Was zuvor in mir gegärt hatte, nahm Gestalt an,
fesselte mich sofort (und meine Agentin ebenfalls), und jetzt ist es
das Projekt, an dem ich wieder mal mit Schatten unter den Augen wie
eine Suchtkranke schreibe. Mit Unterbrechungen dieses Mal, da Lektorat
und andere Dinge auch wichtig sind.


RRB/TRB: Was macht Ihrer Meinung nach eine gute Autorin aus?

AL: Vor allem eines: Kritikfähigkeit. Außerdem Durchhaltevermögen.

Und dann die Fähigkeit, beim Schreiben alle Kritik außen vor zu
lassen, sich hineinzustürzen in die Geschichte und sich auf die
Protagonisten und das, was sie zu erzählen haben, einzulassen. Die
Geschichte erzählt sich selbst, wir Autorinnen müssen es nur zulassen.


RRB/TRB: Sie schreiben sowohl im Kinder- und Jugendbuch- als auch im
Erwachsenen-Bereich. Gibt es dabei ein Genre, das Ihnen besonders am
Herzen liegt?

AL: Ich liebe alles, was ich schreibe, sonst könnte ich es nicht
machen. Damit will ich sagen, dass bisher alle Geschichten, die ich
begonnen habe, einen eigenen Antrieb entwickelten und mich fesselten,
egal, ob ich sie erträumte oder einen Anstoß von außen dazu bekam.

Trotzdem gibt es tatsächlich Projekte, die mir auf besondere Weise
wichtig sind. Es sind die Bücher, die mich beim Schreiben an meine
psychischen Grenzen führen, Bücher, die mich aus meiner Realität
hinaus in die Realität meiner Protagonisten reißen und die mir
manchmal schwer im Magen liegen. Eines davon erscheint nächstes
Frühjahr bei Schwarzkopf & Schwarzkopf. Es ist ein Jugendroman mit
einer Entwicklungs- und Liebesgeschichte. Mehr will ich darüber
derzeit nicht verraten.

Krimis liegen mir natürlich ebenfalls am Herzen - das ist nicht schwer
zu erraten, nicht wahr? Und wenn ich nach einem schweren Buch eines
voller Humor und skurriler Ideen schreiben kann, dann schwingt das
Pendel so angenehm von der einen Richtung in die andere.

Im Kibu-Jubu-Bereich finde ich es wichtig, realistische Geschichten zu
erzählen und solche, die vor allem auch Jungs ansprechen. Mädchen
lesen bereitwilliger als Jungs, und sie lesen bestimmt auch Texte, die
Jungs gefallen. Umgekehrt ist das viel schwieriger. Jungs greifen
nicht zu Büchern, die aussehen, als seien sie "für Mädchen gemacht".


RRB/TRB: Wie sehen Ihre Schreibpläne für die Zukunft aus?

AL: Ich möchte so weitermachen wie bisher. Ich würde mich sehr freuen,
wenn ich mich als Autorin auf dem Büchermarkt weiter etablieren kann,
und zwar im Kibu-Jubu- wie im Erwachsenenbereich. Ich freue mich sehr
darüber, dass ich im Krimigenre veröffentlichen darf - aber nicht nur
dort. Ja, ich wünsche mir, dass ich auch mit meinen ernsthaften,
nachdenklichen Projekten weitermachen kann.


RRB/TRB: Hätten Sie noch einen Rat für angehende Autoren und
Autorinnen?

AL: Tempest lesen, sich in Autorenforen anmelden, sich informieren
über die Welt der seriösen Verlage. An sich selbst immer zweifeln. Das
machen Autoren sowieso, aber ich finde es auch wichtig. Jede/r AutorIn
sollte das Fegefeuer einer echten Textkritik durchleben, bevor er/sie
ans Veröffentlichen denkt.

Davon abgesehen lautet die einzige wirklich wichtige Devise:
Durchhalten!


RRB/TRB: Was lesen Sie zurzeit?

AL: "Fünf" von Ursula Poznanski und "Schattenmenagerie" von Dieter
Bührig. Aus Recherchegründen liegen außerdem "Das Parfum" von Patrick
Süskind und "Die Leiden des jungen Werther" von Goethe in Reichweite
auf meinem Schreibtisch.


RRB/TRB: Herzlichen Dank für das Interview!

AL: Ich bedanke mich auch sehr herzlich!


Rezensionen



Leserreaktionen auf "Bei Tränen Mord"


Wie immer, auch hier nur ein paar Beispiele. Mehr finden Sie auf www.amazon.de oder www.lovelybooks.de, wenn Sie nach dem Buchtitel suchen.


"Selten habe ich es so bedauert, als ich die letzte Seite gelesen habe, und feststellte, dass die  Geschichte aus ist. Ich hätte noch mehr von Lucy, ihrer verrückten, snobistischen Familie und Frank Kraus lesen mögen." (Wörterkatze)

"Selten habe ich mich so aufs Weiterlesen gefreut wie "Bei Tränen Mord". ... Angelika Lauriel jongliert mit der Sprache, genau auf ihre Figuren eingestellt, sprüht sie nur so vor Einfällen. Die zwei Perspektiven von Frank und Lucy sind meisterhaft geschrieben. Spannend, keinen Absatz langweilig, eine große Empfehlung!!!

..."


"Dieses Buch ist der Beweis dafür, dass sich Spannung, Humor, Unterhaltung und Gefühl kombinieren lassen. Wenn man sein Schreibhandwerk so gut beherrscht, wie Angelika Lauriel es tut!" (Rezensine)

"Die Idee ist insgesamt grandios und die Umsetzung gelungen." (Miahira)

"Alles in allem erfüllt dieses Buch drei Wünsche auf einmal und das bedeutet Lesespaß für alle!" (Gertrud Mark)

"Ein Krimi mit viel Liebe. Genau das Richtige für eine Weichei-Krimileserin wie mich. Die Toten sind unsympathisch genug, dass ich mich nicht lange mit Mitleid aufhalten musste. Stattdessen konnte ich mich unbeschwert über die zum Teil skurrilen Entwicklungen und Gedankengänge der Protagonistin Lucy amüsieren. Die Geschichte spielt im Saarland, es gibt leichte regionale Einfärbungen, aber immer nur so viel, dass ich als Nicht-Saarländerin keine Probleme damit hatte. Mich hat "Bei Tränen Mord" gut unterhalten und mir einige Stunden Lesespaß beschert." (Oswald)